Roberto Bolano . 2666

7 Sep

ROBERTO BOLANO

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…und der Vollmond drang durch die Zeltleinwand wie kochender Kaffee durch eine als Filter verwendete Socke.

…und der Vollmond drang durch die Zeltleinwand wie kochender Kaffee durch eine als Filter verwendete Socke.

MONSTERROMAN

Vor mir liegt heute kein Buch. Das Buch, das im Moment nicht vor mir liegt, ist das OPUS MAGNUM des chilenischen Autors ROBERTO BOLANO (1953-2003 *). Von vielen Seiten dazu aufgerufen, ab dem 7. September Bolanos Meisterwerk 2666 gemeinsam mit Ausdauerbibliophilen aus dem deutschen Sprachraum in genau 2666 Stunden zu bezwingen, meine ich: Nein, das werde ich nicht schaffen! Ich müsste meine ganze Aufmerksamkeit – und diese verdient Bolanos Monsterwerk mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – auf den Text lenken und diesen in  111 Tagen bis zum 27. Dezember ausgelotet, infiltriert und sattsam bezwungen haben. Das würde bedeuten: 70 Seiten hochkarätige Lektüre pro Woche ohne Qual zu absolvieren! Stattdessen werde ich versuchen, in dieser Zeit selbst wenigstens 7 Seiten pro Woche zu schreiben; schließlich muss mein eigenes Buch fertig werden. Außerdem sage ich gerade so ganz leise zu mir: „Michael, du musst ja nicht gleich bei allem mitmachen, was gerade mal so hype ist! Lasse dir da bloß keine Zwänge aufdividieren, von welchen du dich im nachhineigen Mittendrinsein nicht mehr so leicht befreien könntest!“

Ja, genau! Das Freisein ist ein wichtiger Wert! Und außerdem ist viel zu vieles hype in Zeiten wie diesen. Uns horzpochenden, atemrasenden Menschen des 3. Jahrtausends hängt schon ohne solche kulturdekadenten Zwangsbeglückungen die gebläute schlappe Alltagszunge heraus. Wenn ich allein daran denke, wieviele E-Mails ich an diesem Montag zu lesen und zu bearbeiten habe – – – !!! Kawumm!!!

Das 2666-Projekt ist hype. Ganz eindeutig. Nichts für mich! Für Sie vielleicht!?

bolano buchNun muss ich mir den Roman allerdings erst einmal besorgen. Nicht heute. Nicht morgen. Wohl erst nach dem 27. Dezember, wenn der ganze gut inszenierte Verkaufsgag-Rummel **) um dieses im VORHINEIN zum LITERATUR-ALIEN gemachte Buch einigermaßen vorüber ist. Bis dahin wird es mir ein ab- und aniges Vergnügen sein, zu verfolgen, wie sich die für die Teilnahme am 2666-Projekt gewonnenen LeserInnen an der Lektüre erfreuen oder dem Text mit vampiristischen Zähnen das Blut bis auf den letzten Tropfen aussaugen. Ich denke, den einen oder anderen Zahn werden sich so manche auch daran ausbeissen. Macht nichts! Es gibt ja gute Zahnärzte – meint Euer LitterART.

*) Danke für den Korrekturtipp, Dietmar Hillebrandt !

**) Es wurde nach einem glaubwürdigen Gedankenaustausch mit dem Initiator des 2666-Projektes von mir kurz nach Erstellung dieses Textes zur Kenntnis genommen: Es handelt sich dabei nicht um einen Marketing-Gag, sondern schlichtweg um einen genialen Einfall einer Privatperson, zu dem ich – auch wenn mein Motor dabei nicht anspringt – aufrichtig gratuliere!

Das Lektüreprojekt zu Roberto Bolanos Roman 2666, von Marvin Kleinemann ins Leben gerufen, startet zum deutschen Erscheinungstermin des Buches am 7. September. In 111 Tagen, bis zum 27. Dezember, in genau 2666 Stunden, soll das Werk Bolanos, das nun im Hanser Verlag erscheint, bezwungen werden.

Ein jeder ist herzlich dazu eingeladen, sich diesem Projekt anzuschließen und gemeinsam mit anderen über das Buch zu diskutieren und sich auszutauschen. Die Vernetzung von bibliophilen Menschen wird medial vielfältig sein, ob Kommentarfunktion oder eigener Beitrag auf der Internetseite selbst, StudiVZ oder Twitter – für jeden ist etwas dabei!

2666 Stunden durch die Nacht

Artikel in der Welt Online

TIPP & TEXTAUSZÜGE ZUM BUCH-PROJEKT von: Die Domptöse . Die Domptöse und http://www.zwei666.de/

By LitterART, 07/09/2009

5 Antworten to “Roberto Bolano . 2666”

  1. allzumenschlich 2009/09/07 um 23:44 #

    Verdammt!
    Die liste an Buechern, die ich unbedingt nicht vergessen darf zu kaufen, wird immer længer, und das so schnell, dass ich mit dem Lesen nicht hinterherkomme.

  2. Dietmar Hillebrandt 2009/09/13 um 20:34 #

    Geht mir genauso wie dem 1 Kommentator, aber
    wie Proust zu dem jungen Diplomaten Harold Nicolson gesagt haben soll: “Mais precisez, mon cher monsieur, n´allez pas trop vite.”
    Gehen oder erzählen Sie nicht so schnell, denn das “langsame Vorüberschlendern
    ist in der Lage, unser Mitgefühl zu steigern.”

  3. Dietmar Hillebrandt 2009/09/13 um 21:35 #

    Siebzig Seiten lesen und gleichzeitig 7 Seiten schreiben sollte in einer Woche möglich sein!
    Hypen Sie doch mit, vielleicht bereuen Sie es später doch, nicht „mitgehypt“ zu haben.
    Beissen tut auf zwei666.de keiner!
    Aber ich verstehe Ihre Vorbehalte gut,
    ich gehe auch nicht allzu oft auf den Rummelplatz. Als kleine Korrektur, nicht Besserwisserei:
    Bolano ist am 12.7.2003 gestorben, nicht 2004!

    • litterart 2009/09/14 um 18:11 #

      Lieber Herr Hillebrandt,

      vielen Dank für Ihren Kommentar und die wichtige Todesdaten-Korrektur (wobei: en.wikipedia.org, http://www.sandammeer.at, http://www.bookbrowse.com u. a. plädieren da mehr für den 15. Juli 2003 und nicht so sehr für den 12. Juli)!

      Ob ich doch noch mithype? Nun ja, da sieht es zeitlich schlecht aus bei mir. Mir fliegen in den kommenden Zeitabschnitten zu viele Schwerelosigkeiten um die Ohren, die gewichtet und geerdet werden müssen.

      Ihre Korrektur-Anmerkung finde ich ganz und gar nicht besserwisserisch. Ich finde, sie war nötig.

      Danke, Herr Hillebrandt! Ich hoffe, wir bleiben in Kontakt!

      Mit besten Wünschen,

      schönen Tag, schönes Leben,

      Ihr Michael / LitterART

  4. Günter Landsberger 2009/11/24 um 10:21 #

    Und was heißt schon „hype“? Ich beispielsweise bin auf Roberto Bolaño irgendwie schon vor allem „Rummel“, knapp davor (zwinker, zwinker), aufmerksam geworden und habe so vorab nichtsahnend-ahnungsvoll eine ganze Reihe seiner Bücher reduziert als „Mängelware“ erwerben können. Mir kam das Projekt demnach wie gerufen.
    (Außerdem hatte ich ja schon in den 70er Jahren meine erste ausgiebige lateinamerikanische Phase, die ich seitdem nie ganz vergesen habe. Mit einem Male stieß ich da nämlich auf Jorge Luis Borges, Mario Vargas Llosa, Juan Rulfo, Juan Carlos Onetti, Guimarães Rosa, Augusto Roa Bastos etc. –
    Wie froh war ich da vor etwa zwei / drei Jahren, als ich unversehens Roberto Bolaño und bald danach auch Ricardo Piglia und Tomás González für mich entdeckte.
    Was gerade „hype“ ist, interessiert mich nicht; es gibt da allenfalls eine zufällige Übereinstimmung. Und, wie gesagt, Witterung hatte ich ja schon längst aufgenommen.)

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