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§ 188 StGB . BLASPHEMIE-PARAGRAF

13 Jan

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Ein Künstler hat sich selbst angezeigt, öffentlich Personen und Sachen, die den Gegenstand der Verehrung einer im Inland bestehenden Kirche oder Religionsgesellschaft bilden, sowie die Glaubenslehre, gesetzliche zulässige Bräuche und gesetzlich zulässige Einrichtungen von Kirchen und Religionsgesellschafen herabgewürdigt bzw. verspottet und bei diesen berechtigtes Ärgernis erregt zu haben, da er sich in keinem seiner Werke, die in bisherigen Ausstellungen in Museen, Galerien und öffentlichen Plätzen zu sehen gewesen waren und sind, niemals auch nur ansatzweise mit die Kirche, die Religion oder den Glauben betreffenden Themen beschäftigt hat.

Der besagte Künstler ersucht um eine Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder um eine Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen.

Paragraf 188 . Blasphemie als Straftat

AUSZIEHEN

19 Nov

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In der alten Wohnung: Sie zogen sich an und zogen aus.

In der neuen Wohnung: Sie zogen ein und zogen sich aus.

(Text & Foto von mir, Kunstwerk von Marina Alexeeva)

 

PLATZ FÜR HELDEN . Die Verwilderung

11 Sep

Denkmal Porsche Heldenplatz bronze FINB

I.

05.40 Uhr. Seine Nacht war qualvoll gewesen. Das hatte seine Gründe. Der Morgen graute. Sie schlief. Er war wach geblieben. Er weckte sie nicht. In den Flur schlich er. Dort sah er nach. Im Schuhkasten könnte es sein. In seinen Schuhen war es nicht. In ihren Schuhen war es nicht. Wo hatte es sich verschlüpft? Das Wild blieb unauffindbar!

Das Wild. Es war ihnen verloren gegangen. Hatten sie es je gemeinsam gehabt? War es ihnen beiden fremd? Er fahndete in seiner Biografie danach. In seinem Besitz war es gewesen. Er erinnerte sich genau daran. Ihm war es jedenfalls entkommen. Vermutlich war es zurück in die Wildnis. Dem Wild hatte es nicht gefallen bei ihnen. Er blickte an sich herab. Einen seidenen Pyjama trug er. Seine Füße steckten in Hauspantoffeln. Er bewegte die Zehen. Das Wild war auch darin nicht zu spüren. Es war fort! Entschwunden! Bei ihm war nur die Stadt. Sie ließ sich hören. Sie klang hämisch. So rauschten Wildbäche. Das wusste er aus dem Fernsehen.

Und sie? In ihrem Nachthemd lag sie im Bett. Eine rosa Decke verhüllte sie. Musste das sein!? Das Wild mochte rosa Decken nicht. Es mochte auch keine Nachthemden. Ihre Nachthemden. Die Rosanen. Sie. Die da Liegende. Hatte sie es vertrieben? Das Wild. Wann hatte er es zuletzt bemerkt? Das war lange her. Damals war es da gewesen. Er war sich sicher. Hatte er es gefürchtet? Hatte er es bewundert? Hatte er es von draußen in die Stadt gebracht? War es auf einer Reise an ihm hängen geblieben wie eine Klette? Hatte er es in der Stadt gefunden? Nein! Es war doch über ihn hergefallen! Täuschte er sich? War es nicht schon immer da gewesen? Konnte das Wild in der Stadt überhaupt überleben?

Die Suche nach dem Wild ließ ihn nicht mehr los. Sein Handeln wurde immer fiebriger. Er musste es finden. Musste er es wieder finden? Oder musste er es erst entdecken?

Sie fiel ihm ein. Sie träumte noch. Ihre Träume waren weich wie Watte. Dessen war er sich sicher. Diese Träume musste er zerstören. Er schlapfte ins Wohnzimmer. Das Fenster stand halb offen. Ihn fröstelte. Seinen Morgenmantel zog er über. Er ließ ihn halb geöffnet. Halbheiten hier. Halbheiten dort. Kompromisse überall. Er roch eklig. Es duftete nach Zivilisation. Nach dem Geruch nasser Erde stand ihm der Sinn. War er jemals barfuß über eine Wiese gelaufen? Noch als junger Mann hatte er geweint. An einer Rose hatte er sich gestochen. In Schönbrunn. Löwenbändiger hatte er als Kind einmal werden wollen. Und sie schlief im Nachthemd in rosa Bettwäsche. Nur ein Motorrad brüllte ab und an durch die Straßenschlucht. Sie konnte überdies nur bei Licht schlafen. Sie fürchtete das Dunkel. Gegen Mitternacht hatte er Gelsen erschlagen. Er trug Pyjamas. Nackt waren nur seine Erinnerungen. Wäre er ehrlich zu sich selbst gewesen, er hätte sogar deren Echtheit bezweifelt.

Was war ihm da so schön aus dem Deutschunterricht hängen geblieben? Wer? Was? Wann? Wo? Er verwechselte doch hoffentlich nichts? Eine Schallplatte nahm er aus dem Schrank. Schallplatten waren ja wieder in. Frank Wedekind. Lulu. Nadja Tiller. O. E. Hasse. Rudolf Forster. Deutsche Grammophon. 1962. Was für Stimmen!!! Aus der Vergangenheit!!!

Volle Lautstärke!!! Und das in frühester Frühe. Die Nachbarn klopften. Ruhe!!! Ruhe . . .

Du weißt ja gar nicht, was das Wild ist!“ meinte sie beim Frühstück. Sie blickte nicht einmal auf dabei. Das war ein Tiefschlag für ihn. Von diesem erholte er sich zunächst den ganzen Tag nicht mehr. Selbst nach einem Jahr fürchtete er diesen Schlag noch schmerzhaft zu fühlen.

II.

Ein Jahr, einige Tage und einige Wochen später; selbe Stadt, anderer Ort. Auf dem Weg zum Büro fiel ihm, wie jedes Mal seitdem, die besagte Platte wieder ein, weshalb diesmal, das konnte er später nicht mehr sagen, vielleicht weil der Fieberblick einer Passantin ihn infiziert hatte, oder wegen der sterbenden Taube am Straßenrand, wegen der johlenden Kinder im umzäunten Spielplatz womöglich, jedenfalls waren diese magischen Worte wieder ebenso stark lebendig wie zugleich intensiv tot in ihm wirksam, dass er darüber auch an Rilkes „Panther“ denken musste, wenn jedes von ihnen in seinem Käfig auf und ab, hin und her ging, an die dumpf klingenden Gitterstäbe stieß, dass es nach missratenen Glocken klang: „Das“, klong. „Wahre“, klong. „Tier“, klong. „Das“, klong. „Wilde“, klong. „Schöne“, klong. „Tier“, klong. Ihm wurde sausig und grausig im Kopf und im Körper darüber. Diese verdammte Schallplatte. 1962. Moderne Zeiten gegen die, in welchen Wedekind gelebt hatte. Verpiss dich, Lulu!!! Dieses Stück Vinyl hatte er von seinem Großvater. Der war in zwei Weltkriegen gewesen. Zur Zeit seiner Pressung war er, der gerade wieder von ihr Berührte, von ihr Betroffene, noch gar nicht auf dieser Welt gewesen. Er war viel später geboren. Und in dieser Minute fragte er sich zum x-ten Mal, ob er jemals am Leben gewesen war.

Ein Jahr, einige Tage und einige Wochen Erschütterungen lagen hinter ihm. In dieser Zeit hatte er sein Leben nicht geändert. Seine Einstellung war allerdings eine erheblich andere geworden. Zwei tektonische Platten unterschiedlicher Kontinente schoben sich bedrohlich in ihm ineinander. An diesem Morgen wollte er den gewohnten Weg nicht gehen. Wieder einmal! Seiner ihm zum Alltag gewordenen Erkenntnis, gerne ins Büro gehen zu müssen, hatte sich eine alltäglich und allnächtlich wachsende, immer unüberwindlichere Hürde in den Weg gestellt. Warum sollte er das immer wollen müssen? Das Müssen und das Sollen waren bisher jedes Mal stärker als das Wollen gewesen. So ging er auch diesmal den gewohnten Weg durch den Burggarten zum Heldenplatz, den er am Abend wieder retour gehen würde. Wien war eine schöne Stadt! Und jeder musste seine Schul- und Arbeitspflicht erfüllen. Was für ein blöder Gedanke! Er dachte ihn trotzdem. Dem fügte er einen weiteren hinzu: Womöglich gebe es eine Wildpflicht. Schulpflicht. Wehrpflicht. Krawattenpflicht. Anzugpflicht. Anwesenheitspflicht.

Wildpflicht. Würde diese existieren, müsse es auch ein Wildrecht geben!

Ein Recht auf das Wild???

Schritt vor Schritt setzte er mit seinen glänzenden Businessschuhen. Sein Businessanzug knisterte ein wenig dabei. Für einen Moment erfasste ihn Lust zu brennen, zu verbrennen vor Leidenschaft. Wofür? Das spielte keine Rolle. Völlig egal. Er konnte es förmlich Prasseln hören. Im nächsten Moment stieg eine Mutblase in ihm auf. Es war eine mächtige Blase mit gewaltigem Auftrieb. Rasch stieg sie aus seiner geblähten Seele an seine Oberfläche. Es würgte ihn. In ihr komprimiert war der Mut zu schwänzen. Sein Anderwegigkeitstrieb wütete in ihm. So wie andere nicht in den Krieg ziehen, einfach nicht ins Büro zu gehen. Stattdessen sein Wildrecht einzufordern und seine Wildpflicht zu erfüllen. Sein Krieg war nicht draußen. Sein Krieg wütete in ihm. Dieser Krieg zwang ihn zur Flucht. Die Grenzen. Scheinbar unüberwindlich. Das gelobte Land. Land? Gelobtes Land? Wie bitte!? Immer dieselben Gedanken. Wenigstens ein bisschen „Walk on the Wild Side“. Ein bisschen wild geht leider nicht. Ganz wild oder gar nicht. Es müsse schon Vollwild statt Wenigwild sein. Alles Andere sei unganggbar. Die Blase hatte sich inzwischen schmerzhaft nach oben gequetscht und zerplatzte. Er spürte nur ein großes Loch. Er hatte schon viele solche Wunden und auch Narben. Er ging weiter. Ein weiteres Mal widerstand er der Versuchung. Wer hätte ihm auch eine Entschuldigung schreiben können?

III.

Wenige Minuten später. 07.47 Uhr. Wien Mitte. Heldenplatz. Ja, auch er wollte immer ein Held sein. Löwenbändiger hatte er werden wollen als Kind. Wie gesagt. Und nun trug er Businessschuhe, noch dazu italienische. Verdammt! Und so mir nix, dir nix ging er einfach als österreichischer Staatsbürger und Mensch des 21. Jahrhunderts in seiner ganz persönlichen, kaum gekommen schon wieder blitzartig vergangenen Gegenwärtigkeit durch das Dickicht vergangener und künftiger Ereignisse, die sich an diesem Ort, an diesem räumlich so weitläufigen, geschehensmäßig so undurchdringlichen, ja verfilzten Platz verdichteten, und ihm fielen die kühnen Kaiserforums-Pläne Kaiser Franz Josephs I, die Anschlussrede Adolf Hitlers samt der jubelnden Österreicher- und -innenmassen, der Thomas Bernhard und der Ernst Jandl ein, auch wie er an der Hand seines Großvaters mütterlicherseits und in Begleitung seiner zahlreichen Erklärungen und Erläuterungen als kleiner Bub zum ersten Mal in die Staatsbibliothek gegangen war, wie sein Opa vor einem zufällig vorüber kommenden Vorgesetzten seinen Hut gelüftet und ihm gerade in diesem Augenblick eine über ihn fliegende Taube auf den Kopf geschissen hatte, und wie er seine Sie, die nun in Nachthemden in rosa Bettwäsche schlief, mit einem ersten nonchalanten heißen Handkuss in der Zugluft des Burgtores überraschen hatte wollen, hätte ihr nicht eine wiederum über das noch unvereinte Paar hinweg flatternde Taube geradewegs auf den Handrücken geschissen, dass es nur so klatschte, unmittelbar bevor es zum Kuss gekommen war, und selbst das Gefühl, wie er auf dem Weg zu einem entscheidenden Termin im Bundeskanzleramt einmal in ein massiges weiches Hundehäufchen gestiegen und, nicht zuletzt dank seiner vehementen Verspätung und aller verschworenen Widrigkeiten beim Versuch, ihn wieder los zu werden, diesen starken Geruch mit sich zu diesem entscheidenden Gespräch getragen hatte, was ihn, wenn er an seinen dortigen Gesprächspartner dachte, dessen menschliche und politische Haltung er ebenso wenig hatte teilen können, wie er den Geruch dieser altmüllsäckigen Politikerseele ertragen hatte, seine Vorsprache demgemäß beschissen geendet hatte, im Nachhinein noch heute freute, und wer weiß, was nicht noch so alles ihm zu dieser Lokalität eingefallen wäre, wäre er nicht bei seinem gewohnheitspflichtgenötigten Gang ins Büro nahe den Denkmalen des Heldenplatzes an diesem Tag letztlich doch noch ins Schleudern geraten, zumal ihm diesmal das bisher kaum beachtete, weil schon immer da gewesene und dadurch zur Selbstverständlichkeit gewordene Reiterdenkmal des Prinzen Eugen hoch zu Pferde, obschon weniger genial und bedeutend als sein älteres, ebenfalls bisher kaum zur Kenntnis genommenes, den Erzherzog Karl darstellendes Pendant, ins Auge gestochen und hätte es nicht diese ganz gewisse zündende, ja fixe Idee in ihm ausgelöst, die unverzüglich zum Freudentanz mit seiner jüngsten Einstellung ansetzte, ihn feurig beflügelte und sein Leben verändern sollte.

IV.

08.35. Vermutlich Montag. Wien. Heldenplatz. Reiterstandbild des Prinzen Eugen. Um Punkt Acht hätte er im Büro sein müssen. Er war es aber nicht. Er sollte nie mehr ins Büro gehen. Vielmehr stand er unter den erhobenen Hufen jenes Pferdes, das den Prinzen trug. Und er war in Gedanken. Seine Gedanken waren nicht nur wilde, sie wilderten; in fremden Jagdgebieten. Schuld daran war dieser verflixte bronzene Prinz mit seinem bronzenen Pferd; irgendwie zumindest. Dass er ihm nie aufgefallen war! Diesmal schon. Der zum Prinzen hoch zu Pferde empor Blickende war kein Künstler. Noch weniger war er ein Bildhauer. Dennoch war er von diesem Augenblick an von der Idee besessen, diesen erhabenen Reiterdenkmälern am Wiener Heldenplatz etwas Großes, etwas Bewegendes, etwas Zeitgenössisches, etwas ganz und gar Freches entgegen zu setzen. Es sei doch alles so historisch, so klassisch, so unzeitgemäß, so brav hier, dachte er. Und: Platz sei hier genug!

Helden. Es gibt sie! Früher hatte man ihnen Denkmale gesetzt. Helden, meist solche, die für ordentliche Blutvergießen gesorgt hatten wie Marc Aurel, Dschingis Khan und eben auch Prinz Eugen, wurden im Laufe der Geschichte gerne in Form von Reiterstandbildern hoch zu Pferde dargestellt. Naheliegend oder nicht: Der auf seinem Weg zum Büro inne Haltende war von diesem Augenblick an davon inspiriert, ein weiteres Denkmal für den Heldenplatz zu schaffen. Dieses musste den bereits dort bestehenden Reiterstandbildern in Größe, Qualität und Inhalt ebenbürtig und unserer Zeit entsprechend sein. Dem zeitlos edlen Pferd entspricht heute ein elitäres Auto. Den Adeligen der Vergangenheit kommen Politiker gleich.

Schwups! Und fertig war das passende Monument im Kopfe. In seiner Vorstellung stand es da. Mitten am Heldenplatz. Im Dialog mit den Reiterstandbildern. Weder inflationär noch inflatable. Nichts Alltägliches, nichts Aufblasbares etwa wie eine Hüpfburg. Keine Halbheiten diesmal! Keine Kompromisse! Es musste schon etwas Beständiges sein. Ab jetzt stellte er sein ganzes Leben in den Dienst der Sache. Verpiss dich, Büro! Es lebe die Kunst! Was meinte Joseph Beuys? Jeder Mensch sei ein Künstler. Fiat! Es geschehe!

V.

Fünf Jahre, einige Tage und einige Wochen später. Wien. Heldenplatz. Ein Mann steht mit dem Rücken zum Reiterdenkmal Prinz Eugens. Er blickt auf den Platz. Er ist nicht auf dem Weg ins Büro. Er hat keine Businessschuhe an. Am Morgen ist keine Sie im Nachthemd in rosa Bettwäsche neben ihm gelegen. Er hat auch keine Wohnung mehr. Seit dem Vortag haben wieder Tausende Flüchtlinge die Grenze zu Österreich passiert. Kriegsflüchtlinge. Wie sehr er sich doch von ihnen unterscheidet. Und wie verwandt er sich andererseits mit ihnen fühlt. Kein Dach kann er ihnen über dem Kopf anbieten. Aber ein Platz für sie in seinem Herzen, viele weitere in seinen Gedanken, den hat er allemal. Seine Vorstellungen sind ganz eigene. Sein Leben hat sich verändert. Dieser Mann steht jeden Tag hier. Er ist auf fast allen Fotos zu sehen, die Touristen hier schießen. Er ist fast schon eine Legende. Ob er ein Held sei oder ein Narr, das wisse er nicht zu sagen. Er ist selbst zum lebenden Denkmal geworden. In mehreren Sprachen erzählt er jedem, der es wissen will, und jedem, der es nicht wissen will, von dem, was bald hier stehen werde: Ein riesiges Denkmal auf einem mächtigen Sockel mit zwei einstmals bekannten Politikern im blauen Porsche 911 Targa. Noch arbeite er daran. Aber es sei fast schon fertig. Beide Herren würden aus dem Cabrio lächeln. Sie hätten leicht lachen. Helden ihrer Zeit? Antihelden?

LitterART (c) 2015

THE VISIT . DER BESUCH . by Miba Eisbraun

17 Feb

THE VISIT . by Miba Eisbraun . 2012

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Visiting the exceptional Austrian artist Michi Maier and his extremly funny kids

Starring: Michi Maier . The Artist, Irmgard J. Eisner, Lena, Nana, Emma

Camera Dramatique: Barbara Eisner-B.

Technische Realisierung: Michael Braunsteiner

More Information about the artist:

http://www.castyourart.com/?s=Maier+Michael&x=0&y=0&sn=1

Miba Eisbraun
© 2012

http://mibaeisbraun.com

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Gedankensplitter zu Michi Maier’s Anti-Salonkunst

Michael Maier hätte in seinem Leben einen im Sinne unserer Gesellschaft geordneten Weg gehen können. Einem sorgenfreien Leben als Jurist wäre nichts entgegen gestanden. Stattdessen ist er ein volles Risiko eingegangen. Ich persönlich bin froh darüber. Aber Künstler sein zählt immer, noch mehr in Zeiten wie diesen, zu den sehr schwierigen Unterfangen. Selbst die Großen haben es nicht mehr leicht. Seinen spannungsgeladenen Entscheidungsprozess mitsamt allen damit verbundenen Zweifeln hat Michi Maier auch in einzelnen Bildern thematisiert. Ein solches etwa heißt KATHARSIS VORWÄRTS. Michi Maier –  von seiner Kunst durchdrungen um nicht zu sagen ihr obsessiv verfallen – ist ein Kämpfer – unglaublich produktiv in seinem Atelier tätig. Seine oft riesigen Werke entstehen in schnellen Würfen. Er kämpft auch an vielen anderen Fronten. Er mobilisiert und networkt, er kontaktiert Sammler, er stellt Atelierräume und auch Ausstellungsräume wie diesen auf. So nebenbei. Unglaublich, wie er das schafft. Das gehört dazu. Selbstvermarktung verbunden mit Überzeugungskraft.

Brave Salonkunst ist das keine. Diese Art Kunst spaltet die Geister. Entweder man ist für sie oder gegen sie. Ich denke, das ist gut so. Mit seichtem Mittelmaß haben wir es bei diesen Bildschöpfungen jedenfalls nicht zu tun.

Was sehen wir? Meist Monumentale Gebilde und Figuren, teils erschreckend, teils infantil, sprecehen sie uns, blicken uns aus den farbkräftigen, gestisch gemalten Bildern an. In ihrer Frontalität, mit ihren auf uns gerichteten Blicken sprechen sie uns direkt an, ziehen uns hinein in ihre wilde Welt.

Schon auf den ersten Blick erweist sie sich als ein Konzentrat an Elementen aus Art Brut, Comics, Pop Art, Werbung. Aufgrund ihrer überraschenden Mischung aus Acryl-Malerei und PU-Schaum auf Platten hat sie sowohl Skulptur- als auch Malereicharakter. Wichtige Teile der Bilder treten dreidimensional hervor. Ernst und Humor, Spielerisches und Tragisches stehen in permanentem Dialog.

Wie alles bei diesem Künstler hat seine Bildhauerei und seine Malerei jene faszinierende Kraft, die sich zwischen scheinbar unvereinbaren Gegensätzen entwickeln und wirken kann. Michael Maier verbindet themenbegingt imer wieder auch Bild und Text in seinen Werken.

Was will diese Kunst? Sie stellt Werte in Frage. Sie springt von der vorgegebenen sicheren Schiene mitten in die gefährliche Wildnis. Sie bricht aus. Sie will Neuland ergründen, einen Sinn finden und sich selbst einen geben – so wie ihr Schöpfer. Und seine Kunst will wachsen und uns als Betrachter wachsen lassen. Stillstand – ein dem Tode gleicher Zustand – ist nicht ihre Sache!

Wo ssehen wir  diese Kunst? Bezeichnender Weise nicht immer in einem Museum oder einer Galerie, sondern auch an Orten, alätzen, wo man Kunst nicht vermuten würde:  etwa in einer aufgelassenen trashigen Putzerei, in verlassenen Ställen und Industriehallen, in einer unrenovierten Altbauwohnung. Der Künstler ist einfallsreich, wenn es um die Präsentation seiner Kunst geht.

Wer macht diese Kunst? Einer der sich nicht einordnen lässt. Einer, der mit seinem Ansatz die über weite Strecken saturierte Kunstszene gehörig aufmischt. Einer, der meines Erachtens unbedingt hin gehört in die österreichische Kunst- und Kulturszene, wenn garstige Verkrustungen aufbrechen sollen, über die man einfach hinwegzusehen gewohnt ist.

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Michael Maier – Next exhibitions:

JENSEITS DES SEHENS
Kunst verbindet Blinde und Sehende
Stift Admont – Bibliothek & Museum
25. März bis 8. Juli 2012
Kurator: Michael Braunsteiner

ZWISCHEN ERINNERN UND VERGESSEN
Endlichkeit & Ewigkeit
Stift Admont – Bibliothek & Museum
14. Juli bis 4. November 2012
Kurator: Michael Braunsteiner

http://www.stiftadmont.at/deutsch/museum/museum/gegenwart_gegenwartskunst.php

DER PIANIST

20 Aug
 
 

APPORT (Selfportrait by Emil Siemeister) | Photo by LitterART | 20/08/2010 ©


DER PIANIST

Festspielzeit! Der heilige Ernst. Sein Ruf war ihm voraus geeilt. Er schien ungeduldig erwartet zu werden.

Viele der Anwesenden wollten gesehen werden. Einige wollten ihn sehen. Wenige wollten ihn spielen hören. Ganz wenige hatten ihn bereits spielen erlebt. Alle versprachen sich einen genialen Abend; jeder auf seine Weise.

Er erschien. Er wurde geschaut. Er beschritt die Bühne. Er wirkte ungesehen. Sein Körper neigte sich nach vorne. Man hielt den Atem an. Er erinnerte an einen devoten Oberkellner. Mindestens eine Konzertbesucherin lächelte. Seine linke Hand lag auf dem Rücken. Er beachtete das Publikum nicht. Umso mehr beobachte es ihn. Er nahm sofort am Flügel Platz. Unverzüglich begann er zu spielen.

Jeder Pianist tritt anders auf. Dieser ganz besonders anders.

Wer war er? Wo kam er her? Wo ging er hin? Er war einer der besten Pianisten der Welt. Seine Mimik verriet nichts. Die Nacht hatte er in einem Bahnhofshotel verbracht. Luxus bedeute ihm nichts. Sein erstes Konzert hatte er in jungen Jahren gegeben. Niemand wusste viel über sein Leben. Es gab zahlreiche Vermutungen und Legenden.

Sein weißes Haar war länger und schütter. Bach. Er wirkte massig. Sein Körper ruhte. Seine Hände tanzten. Jeder Finger war ein Wesen.

Er war anders. Entweder verachtete er das Publikum. Oder er musste er sich unbeachtet fühlen.

Applaus. Die ständige Störung. Sofort spielte er weiter. Bach. Er solisierte. Das tat er immer und ausschließlich; seit geraumer Zeit.

Das Publikum: unversehens in einem musikalischen Netz aus Poesie gefangen.

Er war unfassbar. Er beschämte und verunsicherte. Zu spät erkannten viele einen Menschenfänger in ihm. An Flucht war nicht zu denken. Die Musik stand für sich. Pianist will keiner da gewesen sein. Die Klänge drangen in das Fleisch der Seelen. Sie nahmen es. Sie legten es in den Magen des Pianisten. Manchmal. Andernmals evozierten sie Chimären. Sie nahmen in Besitz. Das jedenfalls.

Den Zuhörern widerfuhr Ungeheuerliches. Sie fühlten uneingestandene Wirkungen. Diese zogen tiefgreifende Veränderungen nach sich. Man war mit einem sicheren Gefühl hier her gekommen. Verlassen würde das Konzert erschüttert.

Magie.!?

Ausgebacht. Abermals lässt der Genius Applaus über sich ergehen. Da kann man nichts machen!

Chopin. Applaus. Menschen sind eben so. Mit Zugaben soll er niemals geizen.

Eine Dame warf ihm einen Rosenstrauß zu. Die Beiläufigkeit fiel auf das Podium. Für den Pianisten existierte sie nur bedingt. Er schenkte ihr keinen Blick. Er trat nicht auf sie. Er umging sie. Der Blumenstrauß war einfach da. Er blieb liegen.

Am Ende des Konzertes zog er sich zurück wie eine Krabbe. Retourgang.

Ein seltsamer Musiker. Seit vielen Jahren ist keine CD von ihm erschienen. Wozu auch!? In seinem Leben würde das nichts Wesentliches ändern. Und auch nicht in dem seiner Zuhörer.

Bach. Bach. Chopin. Viele hätten sich Musik von Alexander Skrjabin gewünscht. Das Programm bestimmt der Pianist selbst. Keiner hat ein Mitspracherecht. Selbst der Manager des Pianisten nicht. Wie eisern!!! Dennoch: Nach dem Konzert lachte der Musiker. In der Garderobe scherzte er sogar. Essenseinladung nahm er keine an. Er ging zurück in das Bahnhofshotel. Von dort aus reiste er still zurück in die Welt. Zuhause war er in Russland. Dort soll er viel Zeit mit dem Lesen verbringen. Er las nicht nur Noten.

Üben soll er weniger als erwartet. Wie kein Star zu leben braucht er nicht zu üben.

Er hatte viele Steinway-Flügel gespielt. Ihre Eigenheiten hat er alle im Kopf. Konzertflügel hält er für kränkelnd und sterblich. Sie sind sein Unsicherheitsfaktor. Irgendeine Schwäche hat jeder Flügel. Die Steinways zittern vor diesem Pianisten. Auch die Klavierstimmer fürchten ihn panisch.

By LitterART | 20/08/2010 ©

 

NICHT MEHR

16 Mrz

Ausgebrückt | By LitterART | 16/03/2010 ©

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NICHT MEHR *

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Er fühlt sich ganz gebrückt. Mit den Zähnen beißt er ins Gras des einen Ufers. Mit den Zehen gräbt er sich in die Erde des anderen. Dazwischen bäumt sich sein Leib. Er wird überfahren. Er wird übergangen. Er ist einfach nur da. Ein einziger Schmerz ist er.

Nicht mehr. Für sich ist er da. Er ist da nur für die Anderen.

Franz heißt er. Es gibt ihn schon lange. Nicht mehr. Zwischen den Steinwänden verhallt seine Wandelstimme nicht. Und nicht: „Ohne einzustürzen kann keine einmal errichtete Brücke aufhören, Brücke zu sein.“ Franzens Stimmung ist keine gute. Franz lebt. Nicht mehr. Franz lebt von der Spannung. Verliert Franz seine Spannung, ist er. Nicht mehr.

Unter ihm die Forellenlosigkeit des Baches. Über ihm das Eis des Himmels. Auf ihm das ewig Verkehrte. Franz will. Nicht mehr. Franz kann. Nicht mehr. Er sackt in sich zusammen. Er wird zum Es. Es hat sich ausgebrückt. Franz ist. Nicht mehr.

* Hommage à Franz K., Die Brücke

By LitterART | 16/03/2010 ©

THE IT

10 Mrz

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THE IT

Originally uploaded by LitterART

THE IT

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Early morning mood.

I came into the kitchen.

There sat an IT.

IT stared at me . . .

and IT whistled, just whistled . . .

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By LitterART, 09/03/2010  ©