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IN BILDERN VERLOREN GEHEN

1 Okt

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Wir leben in Bilderwelten. Instant-Bilder. Flash-Bilder. Ephemer-Bilder. Snapshots und Screenshots. Facebook. Flickr. Instagram. Pinterest. Snapchat. Wo früher Worte waren, sind nun die Bilder. Bilder am Morgen. Bilder am Tag. Bilder am Abend. Bilder in der Nacht. Traumbilder. Trugbilder. Kunstbilder. Kommerzbilder. Kitschbilder. Zwangsbilder. Selbstbilder. Suchtbilder. Bildersucht. Bilderneophyten.

Eine Bilderwelt für uns alle und jedem seine eigene.

So viel Bildersprache. Aber kaum mehr Sprachbilder.

Bilder auf Screens, auf Plakatwänden, in Leuchtkästen. Semper et ubique. Im Smartphone werden sie immer und überall hin mitgenommen. Und mit ihm werden sie produziert. Wir alle sind Bildermacher. Wir alle lassen uns zu Bildern machen. Die Bilder bestimmen und beherrschen uns. Verursacher und Teil der Bilderströme, der Bildersintflut sind wir.

Dominanz des Digitalen. Absenz des Analogen.

So viele Bilder, dass wir keines mehr von ihnen sehen. Und sehen wir gelegentlich doch eines, so erkennen wir in dem Gesehenen das Dargestellte nicht mehr.

Früher wurden unliebsame Bildwerke zerschlagen. Darf man das Smartphone zerschlagen?

Ikonoklasmus? Nein! Jedenfalls mehr Bilder-Bewusstsein.

Mir geht der Sinn der Bilder verloren. Ich gehe in den Bildern verloren. Ich möchte zurück zur Sprache finden. Unserer Sprache, die uns in den Bildern verloren gegangen ist. Meiner Sprache, die mir von den Bildern überwuchert wurde.

LitterART 2019

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CLOWNFRAU

21 Aug

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Die Frau des Clowns hat nichts zu lachen. Selbst der Clown lacht selten. Er bringt andere zum Lachen. Um das Lachen geht es dem Clown privat auch nicht. Er lebt vom Lachen Fremder.

Den Clown lachen gehört haben wenige. Er soll es zumindest einige Male getan haben: Als es zum Weinen war. Der Frau des Clowns war oft danach. Sie wird „Clownfrau“ genannt. Ihren richtigen Namen kennt niemand. Er war der Frau des Clowns mit der Zeit verloren gegangen. Anfangs hatte ihr das nicht besonders leid getan. Im Laufe der Jahre war ihr ihr Namen mehr und mehr abgegangen. Eines Tages überkam sie ein mächtiges Gefühl. Das, nicht mehr ohne ihn leben zu können. Sie wollte ihn wieder haben. Doch sie hatte ihn vergessen. In der folgenden Nacht legte sie sich in den gläsernen Gefrierschrank. Seitdem lächelt sie ständig.

Viele kommen, um sie zu sehen.

PLATZ(END)

14 Sep

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Selbst wenn nur wenige Menschen eine inspirierende Veranstaltung besuchen, quillt der größte Raum nach kurzer Zeit vor Gedanken und Gefühlen über. Es haben gar nicht alle Platz, die hinein wollen.

ICH . MUSEUM

21 Feb

Ich bin (k)ein Museum [je nachdem].

EX: „I AM“-SERIES by (c) LitterART 2018

SPRACHE

5 Jan

ER: Meine Sprache ist heute so komisch.

SIE: Ja, sie ist so sprächlich!

Foto & Text: LitterART

DER MANN MIT DER HACKE . Liliana Porter, El hombre con el hacha y otras situaciones breves, Biennale Venecia, 2017

16 Nov

FLI.Venedig . Biennale Liliane Porter . Mann mit Hacke DSCF2226

Mit der Zeit ist das so eine Sache! Die Zeit ist gefräßig. Sie ernährt sich von den Veränderungen der Materie. Dort, wo etwas entsteht und aufwächst, wo etwas verfällt und zerfällt, wo etwas von einem in das andere übergeht, ist die Zeit am Wirken. Die Zeit ist überall, wo etwas ist. Wo nichts ist, ist auch keine Zeit. Wo nichts war, war auch die Zeit nicht. Und wo nichts mehr sein wird, wird auch die Zeit nicht mehr sein. Irgendwann wird sich die Zeit satt gefressen haben – – – bis sie wieder hungrig werden wird?

(c) LitterART 2017

DER EINZWITSCHERER

30 Sep

FLI.Einzwitscherer

Der EINZWITSCHERER ist ein lästig Ding. Erst schultert er, dann zwitschert und zwitschert er, bis der Kopf seine TagesverFASSUNG VERLIERT.

Painting: Christoph Schmidberger

www.christophschmidberger.com/

 Photography & Text: LitterART