Tag Archives: Märchen

ALLERLEIHRAUH

2 Sep

FLI.Russobjekt2

Es war einmal ein König, der hatte eine Frau mit goldenen Haaren, und sie war so schön, dass sich ihresgleichen nicht mehr auf Erden fand. Es geschah, dass sie krank lag, und als sie fühlte, dass sie bald sterben würde, rief sie den König und sprach: »Wenn du nach meinem Tode dich wieder vermählen willst, so nimm keine, die nicht ebenso schön ist, als ich bin, und die nicht solch goldene Haare hat, wie ich habe; das musst du mir versprechen.« Nachdem es ihr der König versprochen hatte, tat sie die Augen zu und starb.

Der König war lange Zeit nicht zu trösten und dachte nicht daran, eine zweite Frau zu nehmen. Endlich sprachen seine Räte: »Es geht nicht anders, der König muss sich wieder vermählen, damit wir eine Königin haben.« Nun wurden Boten weit und breit umhergeschickt, eine Braut zu suchen, die an Schönheit der verstorbenen Königin ganz gleichkäme. Es war aber keine in der ganzen Welt zu finden, und wenn man sie auch gefunden hätte, so war doch keine da, die solch goldene Haare gehabt hätte. Also kamen die Boten unverrichteter Sache wieder heim.

Nun hatte der König eine Tochter, die war geradeso schön wie ihre verstorbene Mutter, und hatte auch solch goldene Haare. Als sie herangewachsen war, sah sie der König einmal an und sah, dass sie in allem seiner verstorbenen Gemahlin ähnlich war, und fühlte plötzlich eine heftige Liebe zu ihr. Da sprach er zu seinen Räten: »Ich will meine Tochter heiraten, denn sie ist das Ebenbild meiner verstorbenen Frau, und sonst kann ich doch keine Braut finden, die ihr gleicht.«

Als die Räte das hörten, erschraken sie und sprachen: »Gott hat verboten, dass der Vater seine Tochter heirate, aus der Sünde kann nichts Gutes entspringen, und das Reich wird mit ins Verderben gezogen.« Die Tochter erschrak noch mehr, als sie den Entschluss ihres Vaters vernahm, hoffte aber, ihn von seinem Vorhaben noch abzubringen. Da sagte sie zu ihm: »Eh ich Euren Wunsch erfülle, muss ich erst drei Kleider haben, eins so golden wie die Sonne, eins so silbern wie der Mond und eins so glänzend wie die Sterne; ferner verlange ich einen Mantel, von tausenderlei Pelz und Rauhwerk zusammengesetzt, und ein jedes Tier in Euerm Reich muss ein Stück von seiner Haut dazugeben.« Sie dachte aber: »Das anzuschaffen ist ganz unmöglich, und ich bringe damit meinen Vater von seinen bösen Gedanken ab.« Der König ließ aber nicht ab, und die geschicktesten Jungfrauen in seinem Reiche mussten die drei Kleider weben, eins so golden wie die Sonne, eins so silbern wie der Mond und eins so glänzend wie die Sterne; und seine Jäger mussten alle Tiere im ganzen Reiche auffangen und ihnen ein Stück von ihrer Haut abziehen; daraus ward ein Mantel von tausenderlei Rauhwerk gemacht. Endlich, als alles fertig war, ließ der König den Mantel herbeiholen, breitete ihn vor ihr aus und sprach: »Morgen soll die Hochzeit sein.«

Als nun die Königstochter sah, dass keine Hoffnung mehr war, ihres Vaters Herz umzuwenden, so fasste sie den Entschluss, zu entfliehen. In der Nacht, während alles schlief, stand sie auf und nahm von ihren Kostbarkeiten dreierlei, einen goldenen Ring, ein goldenes Spinnrädchen und ein goldenes Haspelchen; die drei Kleider von Sonne, Mond und Sternen tat sie in eine Nussschale, zog den Mantel von allerlei Rauhwerk an und machte sich Gesicht und Hände mit Ruß schwarz. Dann befahl sie sich Gott und ging fort, und ging die ganze Nacht, bis sie in einen großen Wald kam. Und weil sie müde war, setzte sie sich in einen hohlen Baum und schlief ein.

Die Sonne ging auf, und sie schlief fort und schlief noch immer, als es schon hoher Tag war. Da trug es sich zu, dass der König, dem dieser Wald gehörte, darin jagte. Als seine Hunde zu dem Baum kamen, schnupperten sie, liefen ringsherum und bellten. Sprach der König zu den Jägern: »Seht doch, was dort für ein Wild sich versteckt hat.« Die Jäger folgten dem Befehl, und als sie wiederkamen, sprachen sie: »In dem hohlen Baum liegt ein wunderliches Tier, wie wir noch niemals eins gesehen haben: an seiner Haut ist tausenderlei Pelz; es liegt aber und schläft.« Sprach der König: »Seht zu, ob ihr’s lebendig fangen könnt, dann bindet’s auf den Wagen und nehmt’s mit.« Als die Jäger das Mädchen anfassten, erwachte es voll Schrecken und rief ihnen zu: »Ich bin ein armes Kind, von Vater und Mutter verlassen, erbarmt euch mein und nehmt mich mit.« Da sprachen sie: »Allerleirauh, du bist gut für die Küche, komm nur mit, da kannst du die Asche zusammenkehren.« Also setzten sie es auf den Wagen und fuhren heim in das königliche Schloss.

Dort wiesen sie ihm ein Ställchen an unter der Treppe, wo kein Tageslicht hinkam, und sagten: »Rauhtierchen, da kannst du wohnen und schlafen.« Dann ward es in die Küche geschickt, da trug es Holz und Wasser, schürte das Feuer, rupfte das Federvieh, belas das Gemüs, kehrte die Asche und tat alle schlechte Arbeit.

Da lebte Allerleirauh lange Zeit recht armselig. Ach, du schöne Königstochter, wie soll’s mit dir noch werden! Es geschah aber einmal, dass ein Fest im Schloss gefeiert ward, da sprach sie zum Koch: »Darf ich ein wenig hinaufgehen und zusehen? Ich will mich außen vor die Türe stellen.« Antwortete der Koch: »Ja, geh nur hin, aber in einer halben Stunde musst du wieder hier sein und die Asche zusammentragen.«

Da nahm sie ihr Öllämpchen, ging in ihr Ställchen, zog den Pelzrock aus und wusch sich den Ruß von dem Gesicht und den Händen ab, sodass ihre volle Schönheit wieder an den Tag kam. Dann machte sie die Nuss auf und holte ihr Kleid hervor, das wie die Sonne glänzte. Und wie das geschehen war, ging sie hinauf zum Fest, und alle traten ihr aus dem Weg, denn niemand kannte sie. Der König aber kam ihr entgegen, reichte ihr die Hand und tanzte mit ihr und dachte in seinem Herzen: »So schön haben meine Augen noch keine gesehen.«

Als der Tanz zu Ende war, verneigte sie sich, und wie sich der König umsah, war sie verschwunden, und niemand wusste, wohin. Die Wächter, die vor dem Schlosse standen, wurden gerufen und ausgefragt, aber niemand hatte sie erblickt. Sie war aber in ihr Ställchen gelaufen, hatte geschwind ihr Kleid ausgezogen, Gesicht und Hände schwarz gemacht und den Pelzmantel umgetan und war wieder Allerleirauh. Als sie nun in die Küche kam und an ihre Arbeit gehen und die Asche zusammenkehren wollte, sprach der Koch: »Lass das gut sein bis morgen und koche mir da die Suppe für den König, ich will auch einmal ein bisschen oben zugucken; aber lass mir kein Haar hineinfallen, sonst kriegst du in Zukunft nichts mehr zu essen.«

Da ging der Koch fort, und Allerleirauh kochte die Suppe für den König und kochte eine Brotsuppe, so gut es konnte, und wie sie fertig war, holte es in dem Ställchen seinen goldenen Ring und legte ihn in die Schüssel, in welcher die Suppe angerichtet ward. Als der Tanz zu Ende war, ließ sich der König die Suppe bringen und aß sie, und sie schmeckte ihm so gut, dass er meinte, niemals eine bessere Suppe gegessen zu haben. Wie er aber auf den Grund kam, sah er da einen goldenen Ring liegen und konnte nicht begreifen, wie er dahin geraten war.

Da befahl er, der Koch sollte vor ihn kommen. Der Koch erschrak, wie er den Befehl hörte, und sprach zu Allerleirauh: »Gewiss hast du ein Haar in die Suppe fallen lassen; wenn’s wahr ist, so kriegst du Schläge.« Als er vor den König kam, fragte dieser, wer die Suppe gekocht hätte. Antwortete der Koch: »Ich habe sie gekocht.« Der König aber sprach: »Das ist nicht wahr, denn sie war auf andere Art und viel besser gekocht als sonst.« Antwortete er: »Ich muss es gestehen, dass ich sie nicht gekocht habe, sondern das Rauhtierchen.« Sprach der König: »Geh und lass es heraufkommen.«

Als Allerleirauh kam, fragte der König: »Wer bist du?« – »Ich bin ein armes Kind, das keinen Vater und Mutter mehr hat.« Fragte er weiter: »Wozu bist du in meinem Schloss?« Antwortete es: »Ich bin zu nichts gut, als dass mir die Stiefel um den Kopf geworfen werden.« Fragte er weiter: »Wo hast du den Ring her, der in der Suppe war?« Antwortete es: »Von dem Ring weiß ich nichts.« Also konnte der König nichts erfahren und musste es wieder fortschicken.

Über eine Zeit war wieder ein Fest, da bat Allerleirauh den Koch wie voriges Mal um Erlaubnis, zusehen zu dürfen. Antwortete er: »Ja, aber komm in einer halben Stunde wieder und koch dem König die Brotsuppe, die er so gerne isst.«

Da lief es in sein Ställchen, wusch sich geschwind und nahm aus der Nuss das Kleid, das so silbern war wie der Mond, und tat es an. Da ging sie hinauf und glich einer Königstochter; und der König trat ihr entgegen und freute sich, dass er sie wiedersah, und weil eben der Tanz anhub, so tanzten sie zusammen. Als aber der Tanz zu Ende war, verschwand sie wieder so schnell, dass der König nicht bemerken konnte, wo sie hinging. Sie sprang aber in ihr Ställchen und machte sich wieder zum Rauhtierchen und ging in die Küche, die Brotsuppe zu kochen. Als der Koch oben war, holte es das goldene Spinnrad und tat es in die Schüssel, sodass die Suppe darüber angerichtet wurde. Danach ward sie dem König gebracht, der aß sie, und sie schmeckte ihm so gut wie das vorige Mal, und ließ den Koch kommen, der musste auch diesmal gestehen, dass Allerleirauh die Suppe gekocht hätte. Allerleirauh kam da wieder vor den König, aber sie antwortete, dass sie nur dazu da wäre, dass ihr die Stiefel an den Kopf geworfen würden, und dass sie von dem goldenen Spinnrädchen gar nichts wüsste.

Als der König zum dritten Mal ein Fest anstellte, da ging es nicht anders als die vorigen Male. Der Koch sprach zwar: »Du bist eine Hexe, Rauhtierchen, und tust immer etwas in die Suppe, davon sie so gut wird und dem König besser schmeckt, als was ich koche«; doch weil es so bat, so ließ er es auf die bestimmte Zeit hingehen. Nun zog es ein Kleid an, das wie die Sterne glänzte, und trat damit in den Saal. Der König tanzte wieder mit der schönen Jungfrau und meinte, dass sie noch niemals so schön gewesen wäre. Und während er tanzte, steckte er ihr, ohne dass sie es merkte, einen goldenen Ring an den Finger, und hatte befohlen, dass der Tanz recht lang währen sollte. Wie er zu Ende war, wollte er sie an den Händen festhalten, aber sie riss sich los und sprang so geschwind unter die Leute, dass sie vor seinen Augen verschwand.

Sie lief, was sie konnte, in ihr Ställchen unter der Treppe, weil sie aber zu lange und über eine halbe Stunde geblieben war, so konnte sie das schöne Kleid nicht ausziehen, sondern warf nur den Mantel von Pelz darüber, und in der Eile machte sie sich auch nicht ganz rußig, sondern ein Finger blieb weiß. Allerleirauh lief nun in die Küche, kochte dem König die Brotsuppe und legte, wie der Koch fort war, den goldenen Haspel hinein. Der König, als er den Haspel auf dem Grunde fand, ließ Allerleirauh rufen; da erblickte er den weißen Finger und sah den Ring, den er im Tanze ihr angesteckt hatte. Da ergriff er sie an der Hand und hielt sie fest, und als sie sich losmachen und fortspringen wollte, tat sich der Pelzmantel ein wenig auf, und das Sternenkleid schimmerte hervor.

Der König fasste den Mantel und riss ihn ab. Da kamen die goldenen Haare hervor, und sie stand da in voller Pracht und konnte sich nicht länger verbergen. Und als sie Ruß und Asche aus ihrem Gesicht gewischt hatte, da war sie schöner, als man noch jemand auf Erden gesehen hat. Der König aber sprach: »Du bist meine liebe Braut, und wir scheiden nimmermehr voneinander.« Darauf ward die Hochzeit gefeiert, und sie lebten vergnügt bis an ihren Tod.

Anm. LitterART:

Sie, Vater und Tochter, lebten vergnügt bis an ihren Tod???

RAUH – mittelhochdeutsch „rûch“, haarig – noch in dieser Bedeutung in der Kürschnerei als Rauhware oder Rauchware für Pelzwaren geläufig – auch noch im Terminus „Rauhnacht“ enthalten.

Aus meiner Sicht interessant an diesem für Kinder schwer bis gar nicht verständlichen, kryptischen Märchen ist neben den bekannten Daten der Herkunftsforschung die Frage nach weiteren Einflüssen, und zwar zweier Heiligenlegenden, jene der Maria Magdalena einerseits, die der Heiligen Kümmernis andererseits. Die Hl. Maria Magdalena soll der Legende nach lange als büßende Einsiedlerin in der Einsamkeit einer Höhle nur mit den wilden Tieren gelebt haben. Im späten Mittelalter wurde sie nackt mit mit einem wunderbarerweise gewachsenen Haarkleid dargestellt. Die Heilige Kümmernis, auch „Wilgefortis“ (von lat. „virgo fortis“, starke Jungfrau) oder  „Ontkommer“ (niederländisch) genannt, wird als Gekreuzigte im langen Gewand, bärtig und gekrönt dargestellt. Der spätmitterlichen Legende nach war sie eine zum Christentum bekehrte Königstochter, die von ihrem Vater zwangsverheiratet werden sollte. Sie wehrte sich und wollte häslich werden, um der Heirat zu entgehen. Ihre inständigen Gebete wurden erhört: Ihr wuchs ein Bart. Der erboste Vater ließ die Jungfrau daraufhin „nach Art ihres gekreuzigten Gottes“ durch Kreuzigung hinrichten (Hl. Kümmernis, Geistthal).

Text: Aus den „Kinder- und Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm

Foto/Interpretative Illustration: LitterART

Advertisements

LAND ROVER DEFENDER – LEGENDE & OBSESSION

2 Okt

LAND ROVER DEFENDER 90

 

LAND ROVER DEFENDER

LEGENDE & OBSESSION

 

 101 Vorurteile, Verlockungen & Verschreckungen

 

Was hat es wirklich mit diesem LANDY-Mythos auf sich?

Irgendwann kamen wir, meine Frau, unser Hund und ich, auf die Idee, einen DEFENDER besitzen zu wollen. Es handelte sich zweifelsohne um einen Zustand mit obsessivem Charakter – von Anfang an. Wir waren mutig. Und haben uns einen gekauft. Etwas Ehrlicheres und Pureres bekommt man ja heute auf dem von Schnelllebigkeiten, Unnötigkeiten und Geschmacklosigkeiten geprägten Autosektor nicht, so dachten wir. Und wir wollten etwas ganz Klares, Unkitschiges, Uriges und doch faszinierend Schönes und Stimmungsversprechendes. Wir haben es auch bekommen!

OFFROAD ADVENTURES/GOOD TIMES – Unser guter alter DEFENDER 90

Fazit nach 165.000 km und sieben Jahren vielseitigsten Zusammenlebens mit einem Defender 90 TD 5 SW, 122 PS, Bj. 2000 und einem fast dreijährigen mit einem 90 TD 5 ST, Baujahr 2006 – – – – – Nein, einen Moment noch bitte, bevor ich Ihnen die ganze Wahrheit verrate!!!

Einige BILDER aus unserem DEFENDER-ALLTAG zum Einstieg in die Materie sind beigefügt! Werfen Sie doch bitte einen Blick darauf, um sich ein BILD davon zu machen, was Worte hier nicht zum Ausdruck bringen können!

Defender.1603365221_cf9f108929

Schmutzlos zum Genieren!!!

Seitens der Optimisten in unserem Freundeskreis hieß und heißt es: „Superauto! Genau das Richtige für Euch! Geht gut, haltet ewig, ist etwas für Professionisten und Puristen, die keinen Wert auf unnötigen Schnickschnack legen und/oder solche, die ihn ohnedies nur zwischen allem Zweck- und Abwechslungsdienlichem als Zweitwagen neben einer Luxuskarosse fahren.“

Aus Pessimisten-Mündern war zu vernehmen: „Finger weg von einem solchen Landy! Das ist ein Dinosaurier, nicht zeitgemäß, anfällig, teuer, unfahrbar auf der Straße, im Winter so warm wie ein leckes Zelt im Polarsturm, steht nach jedem Regen unter Wasser, ist komfortmäßig eine Zumutung in unserer Zeit, ist sowieso ein Sarg mit Walzenrädern oder Asphaltschneidern, mit dem man sich bald in den Tod fährt, da es keine Airbags gibt, ABS nur gegen Aufpreis lieferbar ist und so weiter und so fort . . . “

Aber jetzt! Fazit ist, dass meine Frau nach all den Jahren stets den Landy nimmt und den Saab stehen lässt. Fazit ist, dass unser Hund nur in seiner geliebten Landy-Hundehütte stundenlang ein glücklicher Hund ist. Fazit ist, dass ich auch nicht allzu weite Autobahnbstrecken am liebsten mit dem Landy gallopiere, welcher sie zwar laut, abenteuerlich, etwas zugig, aber ganz und gar toll meistert – wenn nötig mit bis zu 150 km/h (Tacho!) schnell, aber bestens mit 120 km/h stresslosen brummelnden Dahindieselns. Klar muss man so ein Feeling lieben. Wir tun’s!

On tour

Wie sich der Landy im Gelände fährt, wie man mit ihm etwa in Kroatien über Stock und Stein, Schlamm und Unterholz, Sträucher (sollen sie halt den Lack ein wenig kitzeln – ist ja ein Landy) und an die entlegendsten Plätze kommt, wie man den tiefsten Winter mit Ganzjahresreifen übersteht und klaglos zu unserem entlegenen Berg-Haus durch stete Neuschneeverwehungen über steile Waldwege kraxelt, wie man mit ihm einen abgerutschten schweren Traktor samt Anhänger aus einem Graben zieht, darüber brauche ich hier wohl nicht viel zu erzählen. Ich sage nur. „Sicher und souverän.“

Very British . . . Österreicher in den Wäldern Sloweniens

Dass an mit dem DEFENDER aber auch – wenn man wirklich mit ihm fahren kann, wie etwa meine Frau – auch auf asphaltierten Bergstraßen so manchen blöd schauenden BMW-Fahrer bergauf schlichtweg abhängt, denn die nötige Kraft und Straßenlage (permanenter Allrad und etwas hupffreudige Fahrwerks-Brett-Härte) hat er, ist schon bemerkenswert. Ein Ur-Landy ist bis etwa 120 km/h weder langsam noch liegt er schlecht auf der Straße. Man muss ihn nur mutig anspornen und herrisch zügeln! Laut und rauh ist er halt, OK! Ist doch schön . . .

Bergab kommt man auf steilen Schnee- und Eispassagen durch den Wald und über Wiesen, wie sie unsere Rumpel-Abfahrt bis zur Landstraße aufweisen kann, prima mit der Geländeuntersetzung. ABS? Aus meiner Sicht nicht nötig.

Und in der Stadt? Prima! Der Landy braucht verhältnismäßig wenig Diesel, ist Dank seiner Kürze und Übersichtlichkeit fein zum Parken und hat überdies den Nebeneffekt, dass er nahezu allseits positive Emotionen erweckt und alle Stadtindianer mit ihren provokanten Gehsteigkanten-SUV’s zumindest für einige Augenblicke etwas nachdenklich werden lässt – – – vor allem dann, wenn man noch von der letzten echten Geländefahrt Gatsch bis auf’s hochsitzhohe weiße Dach oder auf der caramelfarbenen Plane picken hat.

INNENBEBEN (besonders auf Rumpelstraßen)

Freilich muss man auch ganz klar sagen, dass man sich in KRISENZEITEN sowie aus Gründen der VERNUNFT und des UMWELTSCHUTZES schon selbst fragt: Muss ein solches Fahrzeug sein??? Für einen Stadt- und Normalfahrer sicher nicht! Für uns – naja. Wir wohnen ja meist außerhalb des Urbanen im wilden Niemandsland. Bei uns ist das anders! (Wenn ich bar ganz ehrlich zu mir bin: Ein FIAT PANDA 4×4 mit Anhänger oder ein alter LADA TAIGA täten es auch. Bloß: Da müssten wir halt unterwegs sein, wie rumänische Schrotthändler, bei dem was wir so alles  – Hund inklusive – zu transportieren haben. Außerdem: Man gönnt sich ja sonst nichts 😉 .

Negatives? Ja, gibt es auch. Es stimmt, dass ein Landy von Anfang an undicht ist, was Zugluft und Wasser anbelangt. Aber es gab auch nie ein echtes Problem damit. Man kann damit leben. Es stimmt, dass ein Landy im Winter schlecht heizt. Es stimmt, dass allfällige Reparaturen und Services teuer sind. Ein solcher Landy ist halt kein PKW. Aber das soll er ja auch gar nicht sein. Es stimmt auch, dass im Laufer der Jahre immer wieder irgendetwas Unerwartetes kaputt wird (Blinkerrelais, die nicht so langlebigen Bremsen, die Fenster-und Türendichtungen, die Scharniere, beim alten Landy zuletzt sogar die an sich unzerstörbar wirkende urschwere „Schwungmasse“, was eine 1400 Euro Reparatur zur Folge hatte). Aber die meisten Lästigkeiten lassen sich selbst oder zumindest an der nächsten Tankstelle mit etwas Bastelfreude beheben. Nicht so schlimm! Nicht beheben konnte ich beim Altlandy jedoch die stets nach Regenfahrten auftauchenden Langzeitprobleme mit dem Starter. Der musste repariert werden. Und wie bei fast allen Defendern war auch nach kurzer Zeit die Hecktüre irreparabel durchrostet. Austausch – ca. 1000 Euro. Ganz im Stich gelassen haben uns unsere Landys jedenfalls nie. Wir sind ihnen dankbar dafür.

FLI.Der Hofb

NACHBARSCHAFTSHILFE (Heuen-Einsatz vor Gewitter)

Das Defender-Image? Sicher ist zunächst einmal: Ein Defender ist kein Kitsch! Man wird im Laufe der Zeit für alles gehalten – vom totalen Spinner bis zum Naturfreak, vom Menschen mit gutem Geschmack bis zum verantwortungslosen Umweltsünder. Naja. Ein wenig Selbstbewusstseins ist mit einem solchen Landy manchmal nötig, dann aber auch wieder gar keines – je nachdem. Schön ist, dass man überraschend häufig freundlich von Fremden gegrüßt wird, angeblinkt, angelächelt – von Kindern, von Erwachsenen die noch Daktari im TV gesehen haben und von älteren Leuten, in welchen das seit 60 Jahren produzierte Fahrzeug offenbar so manche herrliche Erinnerung auslöst. Außerdem möchte ständig jemand mitfahren und das einmalige Defender-Feeling mit allen Sinnen erleben. Wunderbar, nicht?! Mit einem Defender liegt man zeitlos und völlig losgelöst von allen modernistischen Strömungen immer irgendwie richtig. Aber nur, wenn man ihn wirklich braucht! Dann ist ein Defender das NON-PLUS-ULTRA.

Zu dem, was wir am Defender am meisten lieben, zählen u. a. die beiden getrennt voneinander bedienbaren Luftklappen unter der Frontscheibe. Im Hard Top ersetzen sie in Verbindung mit den seitlichen Schiebefenstern und dem herausnehmbaren Glashubdach jede Klimaanlage (wie viele andere auch vertragen wir keine). Sind sie geöffnet, riecht man auf Landfahrten wohlig Wald, Wiesen, Heu und wird von einer in keinem anderen Auto unserer Zeit mehr erlebbaren Symphonie an Luftpoesien umströmt. Im dichten Verkehr lassen die beiden Klappen klarerweise ungefiltert Staub und Gestank herein. Auf der Autobahn führen sie zu einer beträchtlichen Lärmentwicklung. Man merkt, dass man fährt, dass man lebt. Das hat doch immerhin was an sich, nicht?! Wie man in der neuesten Modellreihe des DEFENDER gerade auf diese für den Wagen seit 60 Jahren so typischen  Luftklappen verzichten kann, ist mir ein RÄTSEL! Kein echter DEFENDER-FREAK wird das verstehen. Auch vom Interieur her sind die neuen DEFENDER keine DEFENDER mehr!

Ein Defender – für manche TRAUM, für andere ALPTRAUM

DEFENDER. EIN TRAUM? Auf gewisse Weise ja. Aus diesem Grund haben wir uns auch noch einen Defender 90 Soft Top, Bj. 11/2006 im klassischen DAKTARI-SAMBESI-GRÜN (Keswick Green) wie noch bei der alten Bauart, gesichert. Der kann die Klappen wenigstens noch aufreißen – zusätzlich zum aufroll- und mit viel Geduld ganz abnehmbaren „Zelt“-Dach!!! Den fahren wir nun auch seit fast drei Jahren wieder als Zweitwagen. (MANCHMAL FLIEGEN WIR SAMT HUND AUCH MIT IHM HINAUS IN DIE WEITEN DES KOSMOS . . . ABER BITTE NICHT WEITER SAGEN!!!) Den alten haben wir um viel Geld an einen Liebhaber verkauft. Unglaublich, wie ein DEFENDER seinen Wert hält!

Grosso modo gilt für den neuen DEFENDER Soft Top (ST) dasselbe, was ich schon oben gesagt habe. Bloß ist dieses Fahrzeug noch charakteristischer, noch puristischer, noch abenteuerlicher als der Hard Top (HT). Von außen dringt alles noch lauter ein. Damit das Dach nicht flattert und besser dämmt, haben wir es mit einer dicken Innendämmung versehen. Im Gegensatz zum auf seine BOOST-REIFEN bullig daherkommenden alten HT hält den neuen ST mit seinen originalen 205er Michelins auf weißen Stahlfelgen fast jeder für einen Oldtimer. Man zeigt sich ganz verwundert, sobald klar wird, dass es sich um einen Neuwagen handelt. Mit diesem Wagen passiert es gerade am Land öfters, dass einem ältere Menschen aus ihren Gärten, von den Äckern und aus den Ställen freundlich zuwinken. Ich denke, sie fühlen sich an die Zeit erinnert, als vor 60 Jahren die BRITISCHEN BESATZER mit ganz ähnlich aussehenden LAND ROVERN Hilfe in unserem Land Österreich geleistet haben. Junge wiederum freuen sich einfach am zeitlosen abenteuerlichen Aussehen des Dauerläufers.

Land Rover Serie II (Vordergrund) & Defender 90 (Hintergrund)

Was beim Soft Top wirklich anders ist: Dass er nur 2-  bisa 3-sitzig ist. Darüber hinaus die BEDACHUNG! Klar! Dazu ist zu sagen, dass wir nun aufgrund der erhöhten Zugigkeit des nur auf Zeltstangen aufgezogenen militärartigen Planenverdecks im Winter manchmal mit Zipfelmütze und Daunenjacke fahren  – aber nur bei starken Minusgraden und wenn es auf die Autobahn geht. Denn ab 120 km/h wird es zugig. Bei Landstraßengeschwindigkeit ist der Soft Top aucvh im Winter kein Problem und heizt ganz gut.  Man kann ja zum Glück den komfortablen PKW mit Stand- und Sitzheizung nutzen, wenn man nicht voll eingeschneit ist und den DEFENDER unbedingt braucht. Im Sommer hingegen rollt man die Plane lässig seitwärts und hinten auf. Dann sitzt man, stets von Urlaubsstimmungs-Feeling durchströmt, wie Gott in Frankreich gut gelüftet unter dem Rollsffdach sowohl im Schatten als auch im Trockenen. Dann kann man den hinter verschlossenen Scheiben im Klimaschock sitzenden Schnöseln in ihren für Geländewägen meist bizarr blitzenden BMW-, VW-, AUDI- und  KOREA- & JAPAN-SUV’S entweder die lange Nase zeigen, sie schlichtweg ignorieren oder bemitleidend über ihre kleinkarrierte Angepasstheit lächeln, wenn man mal böse sein will.

Defender.3121502148_22c0aa888b

Zeltgefühl im Buschgewühl

Die komplette Abnahme des Planenverdecks ist möglich. Ich betone: MÖGLICH! Es ist auch möglich, das Verdeck bei Regen wieder aufzuziehen. Ja, möglich ist es. Aber man benötigt dafür mindestens zwei Personen und 30 Minuten Zeit. Dann hat man natürlich das totale DEFENDER-FREILUFT-FEELING in seiner pursten Form. Meine Empfehlung: Lassen Sie das bleiben! Alternative: Bei Sommerbeginn ganz weg mit dem Planenverdeck und bis zum „Rückmontage“ im Winter mit BIKINI VERDECK fahren (EBAY –  ca. 250,- Euro).

Defender.2228879890_a11fd5fd98

Sturmeinsatz – Defender eben, ein Traktor auch für die Autobahn und zum Großatstadflanieren (wenn’s unbedingt sein muss!!!)

Was der Defender so alles kann? Inzwischen gab es bei uns im Jänner 2008 einen argen Sturm. Die Straßen waren von umgestürzten verlegt. Kein Problem. Mit dem DEFENDER fuhren wir einfach steil durch den Wald und durch Bäche. Über kleinere Bäume humpelte man achtlos mit ihm drüber. Mit ihm –  Motorsäge und Holzfällerwerkzeug auf der Ladefläche – zogen wir Bäume weg wie Zündhölzer. Mit ihm zogen wir auch den festsitzenden Traktor aus dem Graben-Gatsch.

Ach ja! Hochwasser gab es nach Unwettern auch einige. Unten war das Tal mehrfach von Muren blockiert. Der DEFENDER sah kein Problem darin. Während andere Autofahrer ratlos da standen, bahnte er sich seinen Weg.

Auch zum Suchen versprengter Rinder kommt der Defender immer wieder zum Sondereinsatz. In unserer Gegend haben mehrere Almbesitzer einen DEFENDER – mit Pritschen, Seilwinden und allem DRUM & DRAN. Für sie ist das ein Arbeitsgerät, ein zweiter Traktor. Und alle lieben ihn, IHREN LANDY – auch wenn er ab und an mal muckt! Es ist unglaublich, wo man mit einem DEFENDER überall hin, durch, rauf und runter kommt, wenn es sein muss. Jeder Städter steigt da als neugieriger Beifahrer blass im Gesicht aus. So ist das und nicht anders.

Sicherheit? Die Sicherheit besteht in der absolut verlässlichen Geländegängigkeit und der Robustheit des Wagens. Wird man von einem Normal-SUV gerammt, kann man ihn von dem STAHL-STOSSSTANGEN-TRÄGER wischen. Wenn er, wie serienmäßig ohne Überroll-Käfig ist, ist man bei einem Überschlag allerdings tot! Dasselbe gilt wohl auch, wenn man ohne ABS und Knautschzone in einen Baum fährt. Das war’s dann.

Kann ein Auto Hunde- & Katzenliebling sein?

Ein abschließendes Wort zur Bereifung. Unser erster Defender hatte offenbar werksmäßig GOODRICH Radial All Terrain 265/75/R13 Reifen, aufgezogen auf Boost-Stahlfelgen. Die hielten zwar unglaubliche 100.000 km, aber sie waren eine Katastrophe mit echtem Risikofaktor auf regennasser Fahrbahn. Im Winter gingen sie solala. Absolut zufrieden waren wir über 60.000 km mit den FULDA TRAMP 4 x 4 ALL TERRAIN, einem echten Allrounder. Die 205er R 16 MICHELIN-Reifen auf dem neuen Zelt-Landy sind in jeder Beziehung super.

Fazit POSITIV: Für jemanden, der/die ihn unbedingt will und braucht, das ultimative Gefährt.
Fazit NEGATIV: Für jemanden, der/die ihn nicht unbedingt will und braucht, der totale Fehlgriff.

Landyssimus-Grüße von drei Defender-Fans – meiner Frau, unserem Hund, & mir

Michael Z. B.

Was meinen Sie?

By LitterART, 02/10/2009

 

LINK: http://blacklandy.de

VORLESUNGEN . LECTURES

5 Sep

VORLESUNGEN  .  LECTURES

Ein seltsamer Tag an der Universität: Im Hörsaal A benahmen sich die Studenten während ei­ner ganz normalen Vorlesung sehr sonderbar. Im Hörsaal B verhielten sich die Studenten während einer sehr sonderbaren Vorlesung ganz normal. Im Hörsaal C fielen an diesem Tag – angeblich wegen Malerarbeiten – alle Vorlesungen aus. Im Hörsaal D las ein Professor am Vormittag einem zufällig hereinschauenden Kind drei Stunden lang aus einem Märchenbuch vor, nachdem kein einziger Student zur Vorlesung erschienen war. Und zur Vorlesung am Nachmittag im selben Hörsaal wären zwar alle Studenten anwesend, aber der Professor fehlte!

By LitterART, 05/09/2009 ©