Michael Maier hätte in seinem Leben einen im Sinne unserer Gesellschaft geordneten Weg gehen können. Einem sorgenfreien Leben als Jurist wäre nichts entgegen gestanden. Stattdessen ist er ein volles Risiko eingegangen. Ich persönlich bin froh darüber. Aber Künstler sein zählt immer, noch mehr in Zeiten wie diesen, zu den sehr schwierigen Unterfangen. Selbst die Großen haben es nicht mehr leicht. Seinen spannungsgeladenen Entscheidungsprozess mitsamt allen damit verbundenen Zweifeln hat Michi Maier auch in einzelnen Bildern thematisiert. Ein solches etwa heißt KATHARSIS VORWÄRTS. Michi Maier - von seiner Kunst durchdrungen um nicht zu sagen ihr obsessiv verfallen – ist ein Kämpfer – unglaublich produktiv in seinem Atelier tätig. Seine oft riesigen Werke entstehen in schnellen Würfen. Er kämpft auch an vielen anderen Fronten. Er mobilisiert und networkt, er kontaktiert Sammler, er stellt Atelierräume und auch Ausstellungsräume wie diesen auf. So nebenbei. Unglaublich, wie er das schafft. Das gehört dazu. Selbstvermarktung verbunden mit Überzeugungskraft.
Brave Salonkunst ist das keine. Diese Art Kunst spaltet die Geister. Entweder man ist für sie oder gegen sie. Ich denke, das ist gut so. Mit seichtem Mittelmaß haben wir es bei diesen Bildschöpfungen jedenfalls nicht zu tun.
Was sehen wir? Meist Monumentale Gebilde und Figuren, teils erschreckend, teils infantil, sprecehen sie uns, blicken uns aus den farbkräftigen, gestisch gemalten Bildern an. In ihrer Frontalität, mit ihren auf uns gerichteten Blicken sprechen sie uns direkt an, ziehen uns hinein in ihre wilde Welt.
Schon auf den ersten Blick erweist sie sich als ein Konzentrat an Elementen aus Art Brut, Comics, Pop Art, Werbung. Aufgrund ihrer überraschenden Mischung aus Acryl-Malerei und PU-Schaum auf Platten hat sie sowohl Skulptur- als auch Malereicharakter. Wichtige Teile der Bilder treten dreidimensional hervor. Ernst und Humor, Spielerisches und Tragisches stehen in permanentem Dialog.
Wie alles bei diesem Künstler hat seine Bildhauerei und seine Malerei jene faszinierende Kraft, die sich zwischen scheinbar unvereinbaren Gegensätzen entwickeln und wirken kann. Michael Maier verbindet themenbegingt imer wieder auch Bild und Text in seinen Werken.
Was will diese Kunst? Sie stellt Werte in Frage. Sie springt von der vorgegebenen sicheren Schiene mitten in die gefährliche Wildnis. Sie bricht aus. Sie will Neuland ergründen, einen Sinn finden und sich selbst einen geben – so wie ihr Schöpfer. Und seine Kunst will wachsen und uns als Betrachter wachsen lassen. Stillstand – ein dem Tode gleicher Zustand – ist nicht ihre Sache!
Wo ssehen wir diese Kunst? Bezeichnender Weise nicht immer in einem Museum oder einer Galerie, sondern auch an Orten, alätzen, wo man Kunst nicht vermuten würde: etwa in einer aufgelassenen trashigen Putzerei, in verlassenen Ställen und Industriehallen, in einer unrenovierten Altbauwohnung. Der Künstler ist einfallsreich, wenn es um die Präsentation seiner Kunst geht.
Wer macht diese Kunst? Einer der sich nicht einordnen lässt. Einer, der mit seinem Ansatz die über weite Strecken saturierte Kunstszene gehörig aufmischt. Einer, der meines Erachtens unbedingt hin gehört in die österreichische Kunst- und Kulturszene, wenn garstige Verkrustungen aufbrechen sollen, über die man einfach hinwegzusehen gewohnt ist.
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Michael Maier – Next exhibitions:
JENSEITS DES SEHENS
Kunst verbindet Blinde und Sehende
Stift Admont – Bibliothek & Museum
25. März bis 8. Juli 2012
Kurator: Michael Braunsteiner
ZWISCHEN ERINNERN UND VERGESSEN
Endlichkeit & Ewigkeit
Stift Admont – Bibliothek & Museum
14. Juli bis 4. November 2012
Kurator: Michael Braunsteiner
Das Herz wird für Herzblut nicht benötigt. Voraussetzung für Herzblut ist Herz. Mit dem Herzen kann man sehen. Mit dem Herzen kann man Freud und Leid erleben. Herzblut fließt nicht aus dem anatomischen Herzen. Eher fließt dieses Blut aus dem Kopf. Es fließt jedoch nicht wie üblich. Man kann es auch in etwas legen. Man kann es vergießen. Man kann etwas damit erarbeiten. Sogar opfern kann man es. Mit Herzblut kann man vieles machen. Alles ist mit Herzblut aber auch nicht möglich. Mit dem Herzblut ist es so eine Sache!
Das Herzblut strömt nicht durch den Körper. Es lässt sich nicht sehen. Es lässt sich nicht messen. Es ist auf ein konkretes Ziel gerichtet. Dieses kann ein Lebewesen oder eine Sache sein. Die Welt der Menschen ist voller Ströme an Herzblut. Diese Ströme bilden dichte Kanal-Werke. Sie können Raum und Zeit durchfließen. Sie können parallel laufen. Sie formieren sich auch zu wirren Gebilden. Niemand kann diese wirklich verstehen.
Das Herzblut einer Nachbarin sprudelt in deren Garten. Von der Gärtnerin zum Garten rauscht ständig ein Fluss. Der Garten steht sozusagen ganz unter Herzblut. Niemand sieht das Herzblut mit dem Auge. Dennoch waten Gäste knietief darin. Der Garten selbst ist gar nicht mehr wahrnehmbar. Für die Nachbarin ist das Herzblut lebendig wie Quecksilber. Für ihre Gäste ist es eine zähe Masse. Da muss man durch!
Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Herzblut eines Freundes. Das seine strömt alten Autos zu. Der Freund zieht Oldtimer damit an sich. Es werden immer mehr. Eine Sammlung ist entstanden. Der Freund produziert eine Menge Herzblut. Es sprudelt wie eine Ölquelle. Fast könnten die Autos damit fahren.
Mein Herzblut fließt in aktuelle Kunst. Kunstwerke können lebendig werden durch mein Herzblut. Sie bekommen eine eigene Aura. Diese Aura kann mich blenden. Manchmal muss ich von hinten auf die Kunstwerke sehen. Sonst werde ich blind.
Das Herzblut wirft viele Fragen auf. Was ist genau damit gemeint? Können auch Tiere Herzblut fließen lassen? Wo im Körper wird es produziert? Welchem Zweck dient es? Kann es versiegen? Welche Farbe hat es? Fließt es auch durch den Kosmos? Welche Geschwindigkeit hat es? Kann es verseucht sein? Ist es gefährlich? Kann man es konservieren? Gibt es auch ein virtuelles Herzblut? Über die Antworten wird gestritten. Jeder Mensch sieht das anders. Menschen ohne Herzblut können gar nicht darüber sprechen. Sie sind ohnedies wie tot. Erst das Herzblut macht uns richtig lebendig. Menschen ohne Herzblut sind arme Schweine. Doch wehe man hat zu viel davon! Das ist schlimm! Man kann selbst darunter leiden. Vor allem wird das für andere zum Problem. Fremdes Herzblut lauert überall. In richtigen Dosen kann Herzblut beglücken. In zu viel Herzblut anderer kann man ersaufen. Man kann fremde Herzblutmeere überleben. Aber man muss herzblutdicht sein. Nicht jeder ist das.
Aus Herzblut sind große Werke entstanden. Ohne Herzblut gäbe es keine Kultur. Die Entwicklung der Menschheit stände still ohne Herzblut. Gut ist Herzblut nur in Verbindung mit Verstand. Herzblut kann den Verstand betäuben. In diesem Falle ist größte Vorsicht geboten. Verstandbetäubte Herzblütler können das Allerschlimmste bewirken. Eine Herzblutpolizei muss her! Herzblut kann nicht regellos fließen. Herzblutgesetze müssen her! Andernfalls könnte Herzblut zum Ende der Geschichte führen.
April 4th 2011 . A very warm day after a strong winter . The first thunderstorm . Open windows, howling storm, singing birds . In the mood to watch one of my favorite films with an ipad in the kitchen: NOSTALGHIA from Andrei Tarkovsky . Fooling around a little bit with the camera . . .
Festspielzeit! Der heilige Ernst. Sein Ruf war ihm voraus geeilt. Er schien ungeduldig erwartet zu werden.
Viele der Anwesenden wollten gesehen werden. Einige wollten ihn sehen. Wenige wollten ihn spielen hören. Ganz wenige hatten ihn bereits spielen erlebt. Alle versprachen sich einen genialen Abend; jeder auf seine Weise.
Er erschien. Er wurde geschaut. Er beschritt die Bühne. Er wirkte ungesehen. Sein Körper neigte sich nach vorne. Man hielt den Atem an. Er erinnerte an einen devoten Oberkellner. Mindestens eine Konzertbesucherin lächelte. Seine linke Hand lag auf dem Rücken. Er beachtete das Publikum nicht. Umso mehr beobachte es ihn. Er nahm sofort am Flügel Platz. Unverzüglich begann er zu spielen.
Jeder Pianist tritt anders auf. Dieser ganz besonders anders.
Wer war er? Wo kam er her? Wo ging er hin? Er war einer der besten Pianisten der Welt. Seine Mimik verriet nichts. Die Nacht hatte er in einem Bahnhofshotel verbracht. Luxus bedeute ihm nichts. Sein erstes Konzert hatte er in jungen Jahren gegeben. Niemand wusste viel über sein Leben. Es gab zahlreiche Vermutungen und Legenden.
Sein weißes Haar war länger und schütter. Bach. Er wirkte massig. Sein Körper ruhte. Seine Hände tanzten. Jeder Finger war ein Wesen.
Er war anders. Entweder verachtete er das Publikum. Oder er musste er sich unbeachtet fühlen.
Applaus. Die ständige Störung. Sofort spielte er weiter. Bach. Er solisierte. Das tat er immer und ausschließlich; seit geraumer Zeit.
Das Publikum: unversehens in einem musikalischen Netz aus Poesie gefangen.
Er war unfassbar. Er beschämte und verunsicherte. Zu spät erkannten viele einen Menschenfänger in ihm. An Flucht war nicht zu denken. Die Musik stand für sich. Pianist will keiner da gewesen sein. Die Klänge drangen in das Fleisch der Seelen. Sie nahmen es. Sie legten es in den Magen des Pianisten. Manchmal. Andernmals evozierten sie Chimären. Sie nahmen in Besitz. Das jedenfalls.
Den Zuhörern widerfuhr Ungeheuerliches. Sie fühlten uneingestandene Wirkungen. Diese zogen tiefgreifende Veränderungen nach sich. Man war mit einem sicheren Gefühl hier her gekommen. Verlassen würde das Konzert erschüttert.
Magie.!?
Ausgebacht. Abermals lässt der Genius Applaus über sich ergehen. Da kann man nichts machen!
Chopin. Applaus. Menschen sind eben so. Mit Zugaben soll er niemals geizen.
Eine Dame warf ihm einen Rosenstrauß zu. Die Beiläufigkeit fiel auf das Podium. Für den Pianisten existierte sie nur bedingt. Er schenkte ihr keinen Blick. Er trat nicht auf sie. Er umging sie. Der Blumenstrauß war einfach da. Er blieb liegen.
Am Ende des Konzertes zog er sich zurück wie eine Krabbe. Retourgang.
Ein seltsamer Musiker. Seit vielen Jahren ist keine CD von ihm erschienen. Wozu auch!? In seinem Leben würde das nichts Wesentliches ändern. Und auch nicht in dem seiner Zuhörer.
Bach. Bach. Chopin. Viele hätten sich Musik von Alexander Skrjabin gewünscht. Das Programm bestimmt der Pianist selbst. Keiner hat ein Mitspracherecht. Selbst der Manager des Pianisten nicht. Wie eisern!!! Dennoch: Nach dem Konzert lachte der Musiker. In der Garderobe scherzte er sogar. Essenseinladung nahm er keine an. Er ging zurück in das Bahnhofshotel. Von dort aus reiste er still zurück in die Welt. Zuhause war er in Russland. Dort soll er viel Zeit mit dem Lesen verbringen. Er las nicht nur Noten.
Üben soll er weniger als erwartet. Wie kein Star zu leben braucht er nicht zu üben.
Er hatte viele Steinway-Flügel gespielt. Ihre Eigenheiten hat er alle im Kopf. Konzertflügel hält er für kränkelnd und sterblich. Sie sind sein Unsicherheitsfaktor. Irgendeine Schwäche hat jeder Flügel. Die Steinways zittern vor diesem Pianisten. Auch die Klavierstimmer fürchten ihn panisch.